Warum ich #bodypositivity nicht mehr hören kann und für eine Doppelmoral halte!

Findet Ihr Übergewicht, Cellulite, behaarte Beine, abgekaute Fingernägel und sprießende Achselhaare bei Frauen schön oder eher abstoßend? Nun laut des neuen Feminismus-Trends „Body-Positivity“ müsst Ihr alldem positiv gegenüberstehen und wenn überhaupt eine Meinung äußern, dann nur „Jede Frau ist schön!“ und „Liebe deinen Körper!“

Ist aber das Ziel des Feminismus nicht auch „Selbstbestimmung“ und „Meinungsfreiheit“? Und schreiben sich mit der Body-Positivity-Bewegung nicht vornehmlich Frauen gegenseitig vor, was sie schön finden sollen? Ist das nicht ziemlich ignorant und widersprüchlich? 

Lasst uns hier eins festhalten, mir ist es völlig egal, wie Jemand aussieht oder welchen Lebensstil er führt! Was mir jedoch nicht egal ist, sind Leute die ihre Ideologien anderen aufdrängen wollen, Krankheiten wie Adipositas verherrlichen und medizinische Tatsachen ins Lächerliche ziehen, nur um einen aktuellen Trend zu folgen.  Der vermeidliche Antidiskriminierungs-Trend, der ursprünglich für „Diversity“ und das Motto „Du bist gut, so wie du bist“ stehen sollte, reduziert letztendlich Frauen wieder einmal nur auf Äußerlichkeiten und diskriminiert sie! 

Nun könnten wir dies damit erklären, dass Frauen historisch bedingt die größte noch diskriminierte Gesellschaftsschicht sind, dennoch hat die Body-Positivity-Bewegung einen bitteren Nachgeschmack für mich.  

Es dreht sich wieder alles nur um das Aussehen!

Body-Positivity sagt: Jeder Körper und jede Frau ist schön, ob dick, dünn, klein, groß, sportlich, kurvig, androgyn, rasiert oder unrasiert. Kurze, lange oder keine Haare trägt. Narben, Pickel, Cellulite hat oder eben nicht. Es ist alles schön! 

Ich frage mich was wir Frauen nur ohne unsere Schönheit wären?!

Hat die Emanzipation nur Oberflächlichkeit hervorgebracht?

Ist ein Trend wie „Body-Positivity“ emanzipiert, wenn er uns ständig sagt, dass wir Frauen alle wunderschön sind? Schönheit liegt im Auge des Betrachters, das ist eine Tatsache und es ist auch gut so. Müssen wir wirklich alle und alles schön finden? 

Body-Positivity reduziert Frauen nur auf ihre Körper und ihr Erscheinungsbild!

Als ob diese Oberflächlichkeit nicht genug sei, wird sie auch noch unter dem Deckmantel „Selbstliebe“ verkauft, obwohl sie Eitelkeiten und Diskriminierung propagiert. Auch wird sie von den „Body-Positivity“ Anhängerinnen überwiegend in einer Doppelmoral vermarktet.

Neulich sah ich zum Beispiel einen Beitrag über stark übergewichtige Frauen. Eine dieser Frauen berichtete darüber, wie sie in ihrer Kindheit aufgrund ihres Übergewichts von anderen Kindern und sogar Erwachsenen beschimpft wurde. Ihre Kindheit sei dadurch furchtbar gewesen, daher setzt sie sich heute für mehr Akzeptanz gegenüber Übergewichtigen ein. Sie hat sich zudem als Ziel vorgenommen, übergewichtigen Frauen ein besseres Selbstwertgefühl zu vermitteln, sie seien schließlich trotz Übergewicht trotzdem schön und sexy „Richtige Frauen haben Kurven und mehr zum Anfassen, nicht so wie z.B. Kate Moss. Die sei doch keine richtige Frau!“ Eine andere Frau aus dem besagten Beitrag stimmte ihr zu und fügte außerdem hinzu: 

„Die ganzen Modezeitschriften und Labels verherrlichen doch sowieso nur Magersucht und das sei für junge Mädchen und Frauen ein schlechtes Vorbild.“

Ich muss an dieser Stelle hinzufügen, dass in dem Beitrag Frauen mit über 100kg auf der Waage gezeigt wurden. Alle Damen im Beitrag gaben an große Fans der Body-Positivity-Bewegung zu sein.

An dieser Stelle hörte meinerseits jedes Mitgefühl oder Verständnis für die besagten Frauen auf. Wie kann man sich selbst über Mobbing beschweren und gleichzeitig andere Frauen auf ihr Aussehen reduzieren und sie diskriminieren nur, weil sie anders aussehen als man selbst?! Es ist außerdem eine Doppelmoral und schlicht unverschämt, alle dünnen Frauen für magersüchtig zu halten und als schlechtes Vorbild zu bezeichnen, gleichzeitig aber eindeutig fettleibige Frauen als schön und „echt“ anzusehen. Ist Magersuch eine Krankheit und gefährlich und Adipositas plötzlich ungefährlich und sogar ein Trend? Ist ein dünnes Model auf einem Cover eine Gefahr und ein dickes völlig in Ordnung? Wenn Body-Positivity bedeutet, dass Jeder schön ist, warum wird hier unterschieden und sogar diskriminiert?! 

Genau diese Doppelmoral ist mir insbesondere auf Social-Media-Kanälen im Zusammenhang mit #bodypositivity aufgefallen. 

Die Bewegung reduziert überwiegend Frauen letztendlich nur auf ihr Gewicht.

Es wird nur zwischen zwei Extremen unterschieden, den stark fettleibigen Frauen (Entschuldigung, wir wollen hier politisch korrekt bleiben, demnach den kurvigen Frauen. Eine schlanke Frau kann schließlich nicht kurvig sein) und den „dürren“ Models. Dazwischen gibt es nichts! Wenn du fettleibig bist wirst du als eine „richtige und echte Frau“ bezeichnet. Die „dünnen Models“ sind unecht, realitätsfremd und magersüchtig. Was ist mit den restlichen Frauen auf diesem Planeten? Sind wir plötzlich alle keine „richtigen“ Frauen mehr?

Frauen wie mir, mit durchschnittlicher Körpergröße von 1,70 und einer schlanken-athletischen Figur. Frauen die schlank sind, aber Kurven haben oder Frauen die ein paar Pfund mehr um die Hüfte tragen aber nicht adipös sind? Die ohne „Body-Positivity“ bisher als „normalgewichtig“ galten. Was ist mit all diesen Frauen? Da wir unter dem Radar von „Body-Positivity“ fliegen, sollen wir uns nun einen neuen Trend ausdenken, um wieder wahrgenommen zu werden? Und warum werden wir von „Body-Positivity“ ausgeschlossen, wenn es sich doch um eine feministische und antidiskriminierende Bewegung handelt? Haben nicht Alle einen Anspruch auf das Dasein und Selbstliebe?

Vielleicht leben die Body-Positivity Anhängerinnen einfach selbst in einem Zustand der Paranoia und Verherrlichung.

Magersüchtige Models sollten keinesfalls als Vorbild gelten, die adipösen Models sind jedoch mindestensgenauso kritisch anzusehen.

Wenn es um Adipositas geht, sprechen Statistiken eine eindeutige Sprache. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt an, dass Übergewicht und Fettleibigkeit weltweit mehr Tote fordern als die Unterernährung. Dass die Folgen der Fettleibigkeit außerdem Krankheiten wie Krebs (z.B. Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, Darmkrebs…), Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Hypertonie, Demenz usw. begünstigen, sollte inzwischen Jedem bekannt sein. Es sind medizinische Tatsachen, die auf jahrelangen Erkenntnissen basieren. Die Weltbevölkerung wird immer dicker und das führt nicht nur zu einer großen gesundheitlichen und finanziellen Belastung für die Betroffenen, sondern auch für die Gesellschaft. 

Wenn die Body-Positivity-Anhänger diese Bewegung als gesellschaftlich notwendig empfinden und damit für „Selbstliebe“ in allen Größen plädieren, dann sollen sie bitte erklären, wieso ein dünnes Model wie z.B. Kendall Jenner ein schlechtes Vorbild für junge Mädchen und Frauen darstellt, weil sie vermeidlich krank sein muss und wiederum die stark adipöse Tess Holliday gesund und ein gutes Vorbild ist? Sagt die Bewegung nicht, dass alle Frauen schön sind?

Persönlich finde ich beide Extreme sehr gefährlich und alles andere als vorbildlich. Weder Magersucht, noch Adipositas sollten zum Trend werden! Wie wäre es, wenn Menschen die eine Öffentlichkeitswirkung besitzen eine ehrliche Selbstliebe und einen gesunden Lebensstil propagieren würden und das ohne andere nur auf ihr Äußeres zu reduzieren.  

Wie wäre es, wenn wir tatsächlich anfangen uns zu lieben und das ohne letztendlich doch nur diskriminierende Bewegungen?

Selbstliebe ist ein stetiger Prozess, bei dem man mit sich selbst ins Reine kommt. Seine Seele und Körper in Einklang bringt. Sich seinen Stärken und Schwächen bewusst wird. Seinen Körper gut behandelt, indem man sich gesund und bewusst ernährt, Sport macht, und ausreichend schläft. Dabei geht es nicht darum, seinen Körper ständig perfekt zu finden und jeden Zentimeter zu lieben. Wir können uns wohlfühlen, auch wenn wir uns nicht ständig perfekt fühlen. Selbstliebe bedeutet auch ein gesundes Selbstbewusstsein zu haben, dann brauchen wir uns nicht ständig mit anderen zu vergleichen und schon gar nicht über andere zu urteilen. 

Es geht bei der „Selbstliebe“ vor allem nicht nur um Oberflächlichkeit!

Selbstliebe bedeutet auch von Menschen umgeben zu sein, die einem guttun. Seine Kreativität auszuleben und sich ständig weiterzuentwickeln, durch z.B. kontinuierliche Bildung.

Selbstliebe bedeutet auch ein Teil der Gesellschaft zu sein und diese mitzugestalten und nachhaltig zu verändern. Mit oberflächlichen Bewegungen wie #bodypositivity wird uns dies mit Sicherheit nicht gelingen. 

Sicherlich hat die Bewegungen plötzlich dazu beigetragen, dass kurvige Frauen auf Covern diverser Modezeitschriften erscheinen, androgyne Models über den Laufstegen dieser Welt stolzieren, Transgender-Models gleichwertig behandelt und nicht als Aliens angesehen werden und in Hollywood Filmen plötzlich nicht nur junge Frauen und Männer die großen Hauptrollen ergattern. 

Vielleich ist das zum Teil nur eine Marketingstrategie, vielleicht aber haben all die wundervollen Frauen, die wir alle kennen die Macht ihrer Stimme erkannt und angefangen anzufordern, was ihnen zusteht! 

Lasst es nicht zu, dass das 21. Jahrhundert nur von oberflächlichen, feministischen Bewegungen dominiert wird. 

Wir Frauen können doch so viel mehr!

In diesem Sinne, bleibt euch treu, bleibt stolz und bleibt gesund! 🙂