Der Tag, der alles veränderte… (Teil 1)

„Ich habe Brustkrebs und er ist bösartig“, nur dieser eine Satz, jedoch so mächtig, dass ich den Tag, an dem er fiel wahrscheinlich nie im Leben vergessen werde. 

Es ist ein Donnerstag im März 2017 und ich habe die Aufsicht während eines Assessment Centers. Es ist still, 6 Kandidaten bereiten sich auf die nächste Aufgabe vor, neben mir sitzt eine externe Kollegin, die uns bei den ACs unterstützt.  Ich arbeite ein paar E-Mails ab, die sich seit letzter Woche angesammelt haben, während ich in den Vorbereitungen für die ACs steckte. Ich genieße die Stille und die E-Mails schreiben sich wie von selbst. Wieviel Produktivität so eine Stille manchmal bewirken kann. Jeder der in einem Großraumbüro arbeitet, kann es bestimmt nachvollziehen, denke ich mir. Ich bin sehr zufrieden, denn die ACs laufen gut und heute Abend kann ich in das ersehnte lange Wochenende gehen. Und als ich darüber philosophiere, was ich alles am Wochenende erleben und wo ich Essen gehen möchte, macht es „Ding“. Eine neue E-Mail kommt reingeflattert. 

Es ist meine Freundin, sie hatte vor paar Tagen eine Biopsie, da sie zuvor einen Knoten in ihrer Brust ertastet hatte und ihr Arzt auf Nummer sicher gehen wollte. Zum Glück meldet sie sich, eine gute Nachricht vor dem Wochenende, denke ich mir. Auch wenn bestimmt alles gut ist, freue ich mich, dass sie schreibt und es nochmal bestätigt. 

Ich lese die E-Mail …

„Ich habe Brustkrebs und er ist bösartig…“

Schreit mich von dem Bildschirm an! Dieser eine verdammte Satz! Es ist Krebs!!! Warum???

Der Rest des Textes löst sich langsam vor meinen Augen auf. Es ist Krebs!!! Bösartig!!! Mir wird plötzlich kalt und heiß. Mein Körper fühlt sich wie gelähmt an. Ich starre reglos auf den Bildschirm und habe das Gefühl die Kontrolle über meinen eigenen Körper zu verlieren. Meine Hände fangen an zu zittern, meine Beine werden zu Kaugummi. Ich muss hier raus! Raus! Irgendwohin, nur weg aus dem Raum, weg von dem Bildschirm! „Ich habe Brustkrebs und er ist bösartig…“ brüllt mich an!!! In meinen Ohren rauscht es…

Warum nur?!!!

Ich merke wie mir Tränen in die Augen steigen, ich drehe mich zu meiner Sitznachbarin und sage „ich muss raus, meine Freundin hat Krebs“. Ich weiß nicht ob sie es verstanden hat, ob die AC-Teilnehmer im Raum es mitbekommen haben, es ist mir egal, ich will nur noch raus!

Ich stehe auf und renne Richtung Toilette. Dort angekommen, stelle ich fest, dass ich alleine bin. Gott sei Dank! Jetzt kann ich loslassen. Ich verschwinde in eine der Kabinen, schließe die Tür ab und heule los. Tränen strömen über mein Gesicht. Ich möchte am liebsten schreien. Warum, warum ein verfluchter Krebs! Ich verspüre Wut, Trauer und Scham. Ja, ich schäme mich, weil ich gesund bin und dennoch so reagiere. Wie muss es meiner Freundin jetzt gehen?!

Ich habe Angst….